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Hör zu, Deutschland
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Der Horror in Palästina und das Schweigen in Deutschland sind oft kaum auszuhalten. Sie machen hoffnungslos und lähmen und lassen an der Menschheit zweifeln. Was hier hilft, ist ins Handeln zu kommen. In kleinen Schritten und in großen. Das hilft nicht nur uns selbst, sondern eben auch der Sache, also einem freien Palästina, einem freien Deutschland, einer freien Welt.

Und es gibt so vieles, was wir tun können! So vieles. Gerade in Deutschland. Was genau, hängt von unseren jeweiligen Talenten und Möglichkeiten ab. Aber irgendwas können wir alle tun. Die Zeit für Ausreden ist längst vorbei. Wir sind 83 Millionen Menschen in diesem Land. Wir sind der zweitgrößte Waffenlieferant an Israel. Wir sind einer der wichtigsten Wirtschafts- und Politikpartner. Unsere Medienberichterstattung ist bei dem Thema im Durchschnitt eine Katastrophe. Die krasse Komplizenschaft in unserem Land gibt uns gleichzeitig aber auch so viele Hebel in die Hand, an denen wir ansetzen können. So viele Möglichkeiten. Such dir deine aus.

Wichtig ist die Grundlage, von der aus du ins Handeln kommst und im Handeln bleibst. Die Perspektive und vielleicht auch ein bisschen Demut. Du allein wirst den Genozid nicht beenden können, ist klar. Auch nicht deine Initiative, deine Stadt oder gar Deutschland. Die Schlussfolgerung daraus sollte aber nicht sein, gar nichts zu tun, sondern irgendetwas, weil alles einen Wert hat. Denn wenn wir verstehen, dass wir Teil einer größeren Bewegung sind, die schon seit Generationen für ein Ende von Besatzung, Landraub, Kolonialismus und Völkermord einstehen, wird es leichter anzufangen, mitzumachen, sich einzureihen, eigenes einzubringen. Und es wird auch leichter immer weiter zu machen. Sich Pausen zu nehmen, während andere weiterkämpfen. Wieder einzusteigen, damit andere Pausen machen können. Es geht dabei nicht einmal nur um Palästina, sondern um so viel mehr. Es geht um unsere Weltordnung, die auf Imperialismus, Kapitalismus und Patriarchat aufgebaut ist. Es geht um alles. Und auch hier spielt Deutschland eine entscheidende und zerstörerische Rolle.

Wenn es dir ausschließlich darum geht, dass nicht weiter jeden Tag eine Schulklasse durch Israel und seine Unterstützer, also unter anderem durch Deutschland, getötet wird, ist das natürlich auch gut. Engagiere dich dafür. Und zwar jetzt, nicht irgendwann. Nicht nur einmal, sondern kontinuierlich, immer wieder. Auch das hat Auswirkungen aufs große Ganze.

Eine andere wichtige Perspektive ist die auf uns und unsere Systeme. Wir alle sind Individuen, die in Systemen leben. Zum Beispiel in Arbeit, Familie, Universität, Wirtschaft, Kommune, Politik, usw. Das alles sind Systeme und unsere Einzelentscheidungen haben Auswirkungen auf diese Systeme. Wenn zB keine Einzelpersonen mehr Feigen aus illegalen Siedlungen im Westjordanland kaufen, werden die Produzenten und Verkäufer Probleme bekommen. Genauso können wir aber auch auf die Systeme selbst einwirken und so viel größere Auswirkungen erzielen. Ein Verbot von Produkten und Dienstleistungen aus illegalen Siedlungen würde zum Beispiel mehr bringen als die Kaufentscheidung bei den Einzelpersonen zu lassen. Auch für solche Systemveränderungen kann man sich einsetzen. Beide Ansätze bringen etwas, es kommt immer darauf an, welche Möglichkeiten und Weisheiten man so hat. Und dieser Blick lässt sich auf sämtliche Bereiche übertragen.

Was also kannst du tun?, fragst du. So viel, so viel, können wir dir sagen.

Zu aller erst: Achte auf deinen Medienkonsum, dein Herz und deine Haltung.

Dann wähle aus den tausenden von Möglichkeiten das, wo du dich mit deinen Talenten, Möglichkeiten, Ressourcen und Kapazitäten am besten aufgehoben fühlst. Jeden Tag aufs Neue. Oder zumindest jede Woche aufs Neue. Zeig Eigeninitiative! Komm raus aus der Konsumhaltung.

Informiere dich, informiere dich und informiere dich nochmal. Es ist nicht kompliziert. Aber je mehr du weißt, desto besser kannst du ansetzen. Gleichzeitig ist Nichtwissen keine Ausrede nichts zu tun.

Teile die Infos und Geschichten, die dich weiter gebracht haben in deinen Kreisen. Sie bringen bestimmt auch andere Menschen weiter.

Gehe auf Protestveranstaltungen, Kulturveranstaltungen, Demos. Am besten mindestens zu zweit. Ist sicherer und macht auch mehr Spaß.

Überhaupt: verliere die Lebensfreude nicht in all dem Horror. Denn dann hätten die gewonnen, die das Leben zerstören wollen.

Suche dir Gruppen in deiner Nähe oder online, die schon aktiv sind für ein Ende des Völkermords. Höre zu, mach mit. Gelebte Gemeinschaft ist eines der wichtigsten Elemente, um die Hoffnung nicht zu verlieren und die Kraft zu behalten.

Wenn du keine Gruppe bei dir findest, gründe selbst eine. Und wenn es nur du und zwei, drei Freund*innen sind, die regelmäßig reden und dann auch gemeinsam etwas tun. Irgendwann werdet ihr dadurch andere Gleichgesinnte finden.

Wenn du neu zur Bewegung kommst, unterstütze die, die schon seit Jahren dabei sind. Frag sie, was sie brauchen, was du tun kannst. Das gilt für Einzelpersonen und für Gruppen. Schreib ihnen einfach, geh zu ihren Veranstaltungen.

Schreib deinen Abgeordneten, wofür sie sich einsetzen sollen. Geh in die Bürger*innensprechstunde. Wir sind immer noch eine Demokratie.

Schreib den Medienhäusern und dem Presserat, wenn der Pressekodex nicht eingehalten wird. Schreib den Medienhäusern und Journalist*innen, die tatsächlich gute Arbeit leisten. Zur Ermutigung und zum Rückhalt in den Redaktionen.

Unterschreibe Petitionen und leite sie weiter: Für ein Ende der Waffenlieferungen zum Beispiel. Oder die Uppsala Erklärung aus der Wissenschaft. Oder die Kinderluftbrücke, die Verletzte aus Gaza nach Deutschland bringen will.

Kaufe keine Produkte von Unternehmen, die am Genozid beteiligt sind oder von ihm profitieren. Nicht als Einzelperson und erst recht nicht als Person, die für eine größere Organisation, ein Unternehmen, eine Stadtverwaltung, etc. einkauft. Welche Produkte das sind, kannst du unter anderem im UN-Report „From economy of occupation to economy of genocide” herausfinden oder auf den Seiten der BDS Initiative. Es gibt dafür auch Apps. Kläre andere über diese Produkte und Zusammenhänge auf.

It’s all about the money. Wir brauchen dringend eine Umverteilung. Deswegen auch: Spende an NGOs, Bürgerinitiativen, an Medienprojekte, Kulturhäuser, Kinos, Cafes und sogar Einzelpersonen, die sich für ein Ende des Genozids einsetzen und denen du vertraust. Natürlich auch an Initiativen, die Hilfe direkt nach Palästina bringen. Kaufe Produkte aus Palästina oder von Palästinenser*innen in Deutschland.

Bringe palästinensische Stimmen nach vorne. Im Mediendiskurs tauchen sie kaum auf. Bringe ihre Bücher, Filme, Zitate, Reden in deine Kreise und an deine Orte. Was auch immer die sind: Wartezimmer, Cafés, Social Media, Redaktionssitzungen, Geburtstagsgeschenke, Kulturinstitutionen, Nachbarschaftstreffs.

Ein Dokument mit konkreten Beispielen und Links für die einzelnen Punkte findest du bei uns auf der Seite.

Und vergiss bei all dem bitte nicht: Wir sind nun schon seit sehr langem und meist täglich Zeug*innen eines Völkermords, an dem auch unser eigenes Land beteiligt ist. Das ist nicht normal. Wenn du und dein Körper eine Pause brauchen, ist das völlig ok. Sammle Kraft, mache später weiter. Mach das, was du machen kannst. Nur du weißt, was das ist, und was am Ende vielleicht doch nur eine faule Ausrede ist. Mach dich nicht kaputt, aber mach mit. Und irgendwann wird Palästina frei sein. Und am Ende dann auch wir.