In einem Tweet schrieb die Journalistin Janine di Giovanni:
„Ich habe in 35 Jahren aus 18 Kriegen berichtet. Man hat auf mich geschossen, mich entführt bedroht und beinahe vergewaltigt, Ich habe Freunde verloren von Sarajevo bis Syrien, Ich dachte ich hätte das Schlimmste der Menschheit gesehen. Ich lag falsch.
Nichts ist vergleichbar mit Gaza – und mit der Komplizenschaft, die es geschehen lässt.“
Janine di Giovanni, sie kommt mit den Bildern im Gepäck, die keiner sehen will. Keine Instagram-Filter-Welt, keine Netflix-Drama-Fließbandproduktion, nur das nackte Fleisch der Welt aufgeschlitzt von Granatsplittern.
Janine di Giovanni, eine Frau, die Sarajevo und Aleppo gesehen hat. Die den Atem in Grosny anhielt als die Russen kamen. Eine, die weiß, wie Blut in der Mittagssonne riecht.
Nichts sei vergleichbar mit Gaza sagt sie. Eine Journalistin die Menschlichkeit und menschliche Abgründe kennt. Das ist ein Befund. Sie ist keine Diplomatin. Sie muss sich nicht in Floskeln verlieren und in politischer Korrektheit. Und sie mahnt und hinterlässt eine Notiz im Register der Menschheit.
35 Jahre Krieg und plötzlich die Erkenntnis: Die Fallhöhe hat noch einen Keller.
Wer ihr zuhört, sie verstehen möchte, hört mehr als eine Reporterin. Hört eine Zeugin, hört einen Menschen. Die Sorte Mensch, die dem Zeugenstand der Geschichte nicht mehr fernbleibt, weil Schweigen die größere Schuld wäre. Und doch erkennt sie die Gleichgültigkeit, die Stille ringsum, die gut gekämmten NachrichtensprecherInnen, die sich am Teleprompter festhalten wie Schiffbrüchige am Wrack, die Regierungen, die mit ihren diplomatischen Samthandschuhen die Blutspur polieren. Komplizenschaft nennt sie das. Ein Wort, das in den Kehlen unserer Politikerinnen zu groß ist, zu sperrig, zu wahr.
Wir tun so, als sei Gaza ein ferner Planet. Ein Raum, in dem das Völkerrecht Funklöcher hat. Wir sagen Komplexität, als wäre das ein Freifahrtschein zum Wegsehen. Doch was Janine die Giovanni sagt, frisst sich durch den Beton der Ausreden.
Eine Frau, die jede Form des Krieges gesehen hat, sagt uns, dass dieser hier, dieser kleine überfüllte Landstreifen, das Maß aller Gräuel sprengt.
Dass wir das hören, nicken und trotzdem weiter Kaffee trinken, sagt sehr viel über uns aus.
Textbeitrag von Künstler und Aktivist Elias Naeb, auch bekannt als
Quellen
Janine di Giovanni auf X @janinedigi (11. August 2025)
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More Information„I’ve reported 18 wars over 35 years. I’ve been shot at, kidnapped, threatened, nearly raped. I’ve lost friends from Sarajevo to Syria. I thought I’d seen the worst of humanity. I was wrong. Nothing compares to Gaza — or the complicity letting it happen.“