Gaza: Das Schlimmste was ich je erlebt habe 

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Gaza: Das Schlimmste was ich je erlebt habe 
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Mir war seit Beginn der Kämpfe in Gaza unheimlich, dass es so viele Tote gab, aber ich habe lange geglaubt, dass es irgendeine Rechtfertigung dafür gibt. Die Zweifel wurden immer lauter und als Israel im März 2025 eine erreichte Waffenruhe brach, habe ich angefangen das Geschehen zu hinterfragen. 

Die Berichterstattung der deutschen Medien in Bezug auf Israel fand ich merkwürdig mild, zurückhaltend und sehr spärlich, daher habe ich angefangen selbst zu recherchieren. 

Nach dem Lesen von englischsprachigen Artikeln und Berichten von Menschenrechtsorganisationen war mir klar, dass in Gaza ein Völkermord stattfindet. 

Seitdem empfinde ich die Berichterstattung der großen deutschen Medien als verschleiernd und irreführend. Ich glaube nicht, dass ich deutschen Medien jemals wieder wie früher vertrauen kann. 

Was in Gaza passiert ist das Schlimmste was ich in meinem Leben mitbekommen habe. Israel verübt ungebremst und ungestraft einen Völkermord und führt diesen mit Ansage und in Komplizenschaft mit anderen Staaten, darunter Deutschland, aus.  

Heute weiß ich, dass es von Anfang an nie nur um die Hamas ging. Schon direkt nach dem 7. Oktober 2023 haben israelischen Politiker ihre Genozid Absichten geäußert und gesagt, dass sie den Menschen in Gaza die Hölle auf Erden bringen werden. Mehrfach wurden nicht nur die Hamas, sondern alle Bewohner Gazas, auch Kinder, für den Anschlag am 7. Oktober verantwortlich gemacht. 

Heute werden hungernde Menschen an Essensausgabezentren erschossen, Menschen werden zu Tode bombardiert und Menschen, vor allem Kinder, hungern zu Tode. Dies war angekündigt worden, aber nur ein Bruchteil der Genozid-Äußerungen wurde von deutschen Medien aufgegriffen. 

Es ist häufig so, dass ich morgens aufwache, und an die Kinder in Gaza denke. An die Kinder deren Eltern vielleicht schon getötet wurden, die schwer verletzt sind, die vielleicht gerade zu Tode hungern und ich denke dann, dass dieser Wahnsinn sofort gestoppt werden muss. 

Ich hätte nie gedacht, dass etwas so Grausames, böses, passieren würde und viele Menschen einfach wegschauen oder es verdrängen würden. Am meisten schmerzt mich das Wegschauen in meinem engsten Freundeskreis. 

Und das obwohl wir alle gelernt haben, dass Menschen nie wieder ihre Würde verlieren dürfen und aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit verfolgt und getötet werden sollen. Und jetzt, wo ein Volk vernichtet wird, interessiert es niemanden und keiner tut etwas dagegen. Das hat meinen Glauben an meine Mitmenschen tief erschüttert. 

Deutschland leistet politische, moralische und militärische Unterstützung und ist ein enger Komplize des Völkermords. Unsere Politiker besitzen Macht und genießen Vertrauen und sie könnten den Völkermord stoppen, aber sie tun es nicht. Neben den Medien, sind sie damit für mich eine der starken Kräfte, die den Genozid am Laufen halten. 

Politiker und Medien erzählen uns es ginge um die Bekämpfung der Hamas und um die Sicherheit Israels. Auf diese Weise möchte man sich unsere Unterstützung sichern, denn wir alle wollen in Sicherheit leben und Schlechtes fernhalten. Selbst jetzt noch, wo Gaza gestürmt und besetzt werden soll, die Existenz der Palästinenser konkret bedroht ist und die Menschen vertrieben werden sollen, sprechen einige weiter von der „Sicherheit Israels“. 

Ich finde nicht, dass unsere Politiker hinter unserem Grundgesetz stehen, das besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und dass alle Menschen gleich viel wert sind. Dass unsere Politiker kaum Empathie mit bedrohten und sterbenden Palästinensern, sogar nicht mit Kindern, haben, hätte ich früher nicht geglaubt.  

Menschen die sich für Gaza einsetzen werden in Deutschland von Politikern und Medien kriminalisiert und schlechtgemacht, ihnen werden Antisemitismus oder andere niedere Motive unterstellt. Eine wachsende Gruppe an Menschen in Deutschland, die nicht mehr einverstanden ist wird ignoriert, das finde ich sehr undemokratisch. 

Meinen Glauben an die allgemeine Gültigkeit von Menschenrechten habe ich durch Gaza verloren. Ich empfinde Deutschland auch nicht mehr als ein gutes Land und ich schäme mich für Deutschlands Rolle als Unterstützer eines Genozids. 


Ein Textbeitrag von Annika Zimmer, Mitte 40, Betriebswirtin aus Köln

Gelesen von Christina Moebus