Wir wollen ja die Menschen erreichen, die sich bisher noch nicht einsetzen oder interessieren oder immer noch auf der Linie sind, die die CDU seit bald zwei Jahren zum Thema Gaza hat. Ich dachte, wenn die hören wie einer, der der CDU angehört hat, von so was berichtet, dass sie dann eher bereit sind, sich zu öffnen bzw. zu erkennen.
Also bin nicht ich berührt, aber ich erhoffe mir, dass Menschen (die ganz anders ticken) sich davon evtl. berühren lassen oder zumindest anfangen zu begreifen, was da seit Jahrzehnten abgeht…..
Im Sinne von “Hey Leute die es immer noch nicht checken, schaut mal sogar Norbert Blüm, der bei der CDU war, hat gesehen, dass da was falsch läuft. Glaubt ihrs vielleicht jetzt endlich…..”
Es gibt immer noch Menschen, die glauben, das ganze Grauen habe erst am 7. Oktober begonnen. Dass dem nicht so ist, hätte auch Norbert Blüm, CDU-Politiker, bezeugen können. In der Sendung „hart aber fair“ berichtete er 2009 von seinen Erfahrungen mit der israelischen Besatzung in Palästina. Dass trotz dieses Wissens – ja, sogar trotz eigener Erlebnisse – nie etwas passiert ist, ist eigentlich unglaublich. Dies waren seine eindrücklichen Schilderungen:
“[…] Das würde kein Mensch widerspruchslos ertragen: Tagtäglich willkürlich drangsaliert zu werden. Man muss sich das Leben auf der Westbank so vorstellen: ein zerstückeltes Land, von Mauern zerstückelt. Wenn die Israelis Mauern bauen wollen, sollten sie bauen zwischen Palästina oder zwischen den Palästinenser-Gebieten und den israelischen Gebieten! Nein, im Palästinensergebiet. 600 Kilometer. Bauern kommen nicht mehr auf ihr Land. Ich bin mit einem Ambulanzwagen gefahren, der kam nicht durch! Ich meine, das ist humanitär?! Ich habe ein Kind erlebt und gesehen, das hat den Arm ab, weil sie während der Ausgangssperre das Kind nicht nicht ins Krankenhaus gelassen haben. Er war vom Splitter zerfetzt worden. Das wäre zu retten gewesen.
Ich habe in Hebron gesehen, da haben die palästinensischen Läden auf dem Weg der kurzen Straße zur Moschee, wo der Abraham begraben liegt, Netze gespannt, weil israelischen Siedler ihren Müll ausgießen auf die Palästinenser. Demütigung! Von Bethlehem nach Hebron, ich würd mal sagen 30 Minuten im Normalfall. Da fahren die vier oder fünf Stunden, je nachdem, wie viele Kontrollen da sind. Und an den Kontrollen, das muss man sich mal ansehen… soll damit Terrorismus bekämpft werden? Ich kann mir das nicht vorstellen, dass damit Terrorismus bekämpft werden kann. Dass Kinder gequält werden, dass Menschen unterdrückt werden, dass Menschen verachtet werden.
Ich bin mit einem Palästinenser durch Hebron, da kam so – entschuldigung, ein Schnösel, ein Schnösel von Soldat und nahm dem den Pass ab, ohne jeden Grund. Und auf die Frage warum, nichts! Ich habe gesagt, wir bleiben stehen bis der Pass wieder da ist. In dieser Stunde hat der israelische Soldat dem Palästinenser zehnmal mit seinem Gewehr an der Nase herumgespielt! Können Sie mal sagen, was daran Terrorismusbekämpfung ist? Ich kann Ihnen sagen, was in dem Kopf des jungen Palästinensers vorgeht: So lässt sich kein Volk behandeln! […]“
Der Erfahrungsbericht von Herrn Blüm bezieht sich zwar auf das Westjordanland und nicht auf Gaza. Doch das Ignorieren struktureller Gewalt macht eine Eskalation, früher oder später unausweichlich – das gilt sowohl für Gaza als auch für die Westbank. Gewalt sollte nie die Lösung sein, doch hat die Welt zu lange die Augen davor verschlossen, welche Formen von Gewalt und Unterdrückung den Palästinensern schon lange angetan wird.
Ein Beitrag für “Hör zu, Deutschland!” von Meli
Quellen
Ausschnitt aus Video-Repost via TRT Deutsch:
https://www.youtube.com/watch?v=J8ttmLikxho
Quelle: Zitat Norbert Blüm „hart aber fair“ ARD / Folge 259, 2009
https://www.daserste.de/information/talk/hart-aberfair/sendung/blutige-truemmer-in-gaza-wie-weit-geht-unseresolidaritaet-m-100.html