In meinem Freundeskreis

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Hör zu, Deutschland
In meinem Freundeskreis
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In meinem Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis gibt es kaum Menschen die sich für Palästina einsetzten, dafür Laut sind oder sich auch nur dafür interessieren. Neben Selbstschutz ist die Annahme „eh nichts tun zu können“ und „machtlos zu sein“ einer der verbreitetsten Gründe die dafür angegeben werden. 

Natürlich kann auch ich nicht sagen, wann und wie mein Aktivismus in seinen vielen Formen eine Veränderung bewirken wird. Aber ich weiß, dass er wirken kann, dass er es schon getan hat – und vor allem, dass er das Mindeste ist, was wir als privilegierte Menschen, gerade jetzt tun können und sollten. Auch ohne zu wissen wann unser Tun Früchte tragen wird!

Ein Punkt, der darüber hinaus auch immer wieder vergessen wird ist, dass Aktivismus, Aufstehen und Laut sein, immer auch ganz unmittelbar Auswirkungen auf das jetzt und auf uns selbst haben. In diesem Zusammenhang habe ich vor einiger Zeit von einem Mann gelesen, der während des Vietnamkrieges jede Nacht mit einer Kerze vor dem weißen Haus stand.  Als ein Reporter ihn eines Nachts anspricht und fragt ob er den wirklich glaube, dass sein kleiner Protest irgendetwas verändern könne antwortet er: 

„Oh, ich komme nicht hierher, um sie zu verändern. Ich komme hierher, damit sie mich nicht verändern. Ich werde nicht zulassen, dass dieser Wahnsinns meine Menschlichkeit zermürbt. Ich werde die Wahrheit kennen und ich werde sie aussprechen. Jeden einzelnen Tag werde ich meinen kleinen Beitrag leisten, um menschlich zu bleiben, wach und empfindsam, damit die Welt meine Menschlichkeit nicht zerstört.“ *

Omar El Akkad formuliert es in seinem aktuellen Buch noch etwas eindringlicher. Er schreibt zu diesem Thema: „[…] seid euch darüber bewusst, dass euch jetzt eine schreckliche Sache angetan wird. Es wird von euch verlangt, einen Teil von euch zu vernichten, der sonst gegen Ungerechtigkeit aufbegehren würde. Es wird von euch verlangt, das Getriebe eines funktionierenden Gewissens zu zerstören. […] Vergesst Mitleid, vergesst sogar die Toten, wenn es sein muss, aber kämpft wenigstens gegen den Raub eurer Seelen.“ 

Der Anspruch, dass gleiche Rechte für alle Menschen auf diesem Planeten gelten sollten, sollte der Hauptmotor für unseren Einsatz sein. Sich bewusst zu sein, dass wir auch als Einzelperson und Gesellschaft davon nur profitieren werden, direkt und indirekt, lässt einem aber doch eigentlich keine andere Wahl als gegen Unrecht aufzubegehren. 

Engl. original:

„Oh i dont come here to change them, I come here so they dont change me. I will not allow the steady maddening onslought of insanity to wear down my humanity, I will keep knowing the truth and telling the truth. I will do my small party every damn day to stay human, to stay awake and tender, so that the world does not wear away at my humanity“


Textbeitrag von M., 41 Jahre, Mutter und Försterin

Gelesen von Elisabeth Weydt