(EN) My Instinct is to explain…
Every time I prepare for a speech, I feel like my instinct is to explain, to convince you, why you should care and why you should listen. I feel myself reaching into memory and into inherited trauma, looking for something powerfull enough to just tweak your emotions so you can act.
We even use big words that trigger you, words like Ethnic Cleansing, Occupation and Genocide. Words that should shake the world. But after years of repetition, they have been dilluted of their meaning. If I knew stronger words I would use them. Thats how much in pain we are.
And these words, they no longer move policy and they barely move people. So today I say No. We are not going to tell you a tragic story.
And I don’t need to explain to you what is happening back home because all of you have a witness in your hand or a witness in your pockets. You see it.
What I will tell you, tough, is this:
We are not heroes, we are not villains, and we are not victims. We are human beings. We are mothers, we are fathers, we are doughters, we are doctors, we are lawyers, we are writer and we are poets.
And what we are asking you ist he bare minimum. We are asking to be treated like you. Like we are not less than.
The bare minimum is justice, peace and collective liberation. So do not turn us into symbols of suffering or a lesson in resilience.
We are people with needs, with future and the right to thrive.
(DE) Das Gefühl erklären zu müssen
Jedes Mal, wenn ich mich auf eine Rede vorbereite, habe ich instinktiv das Gefühl erklären zu müssen, Euch davon überzeugen zu müssen, warum es wichtig ist, dass ihr Euch kümmert, warum Ihr zuhören solltet.
Ich spüre, wie ich in meine Erinnerungen und in mein vererbtes Trauma eintauche, auf der Suche nach etwas, das stark genug ist, um Eure Emotionen zu wecken, damit Ihr handeln könnt.
Wir verwenden sogar große Worte, die Euch triggern, Worte wie Ethnische Säuberung, Besatzung und Völkermord. Worte, die die Welt erschüttern sollten. Aber nach Jahren der Wiederholung haben sie ihre Bedeutung verloren. Wenn ich stärkere Worte kennen würde, würde ich sie verwenden. So sehr im Schmerz sind wir.
Und diese Worte, sie bewegen die Politik nicht mehr und kaum noch die Menschen. Deshalb sage ich heute Nein.
Wir werden Euch keine tragische Geschichte erzählen. Und ich muss Euch nicht erklären, was in unserer Heimat geschieht, denn Ihr alle habt einen Zeugen in der Hand oder in der Tasche. Ihr seht es.
Was ich Euch jedoch sagen werde ist Folgendes:
Wir sind keine Helden. Wir sind keine Verbrecher. Und wir sind keine Opfer. Wir sind Menschen. Wir sind Mütter. Wir sind Väter. Wir sind Töchter. Wir sind Ärzte. Wir sind Anwälte. Wir sind Schriftsteller. Und wir sind Dichter.
Und was wir von Euch verlangen, ist das absolute Minimum. Wir verlangen, so behandelt zu werden wie Ihr. Als wären wir nicht weniger wert. Das absolute Minimum ist Gerechtigkeit, Frieden und kollektive Befreiung. Macht uns also nicht zu Symbolen des Leidens oder zu einer Lektion in Resilienz.
Wir sind Menschen mit Bedürfnissen, mit einer Zukunft und dem Recht, uns zu entfalten.
Auszug aus der Rede Amira Mohammed auf der “Mayors for peace conference” (« Les villes au défi de la Paix ») in Paris am 16. April 2025
Im Deutschen gelesen von Jill Cebeli
Amira Mohammed ist eine palästinensische Friedensaktivistin aus Ostjerusalem und co-host des Podcasts “Unapologetic: The Third Narrative”. Amira setzt sich aktiv für das Ende der israelischen Besatzung und der systemischen Unterdrückung ein und strebt nach Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und einer sinnvollen Zusammenarbeit in der gesamten Region.
Quellen
Vollständige Rede:
https://www.youtube.com/watch?v=VSwabn56_4Q