Being Jewish Afterthe Destruction of Gaza

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Being Jewish Afterthe Destruction of Gaza
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(EN) Being Jewish After the Destruction of Gaza

I sometimes imagine asking the people who speak for our community a series of questions: How many Palestinians would Israel have to kill in Gaza before you urged the United States to stop sending it weapons? How many Palestinian prisoners would Israel have to torture and sexually abuse with impunity before you acknowledged the right of international courts to put Israeli leaders on trial? How long must West Bank Palestinians live under military law before you stop calling Israel a democracy? How many human rights groups have to accuse it of apartheid before you question the principle that Jews alone must rule?

I’ve had enough conversations like these to predict the responses. They’d likely include references to Hamas, human shields, Iran, and anti-semitism, coupled with expressions of regret that the cruel realities of the Middle East require Israel to protect itself in such painful ways. But the essential answer would be clear:

There is no limit. No matter how many Palestinians die, they do not tip the scales, because the value of a Palestinian is finite and the value of a Jewish state is infinite.

Over the last year, I’ve struggled with the way many Jews— including people I cherish — have justified the destruction of an entire society. The book is about the stories Jews tell ourselves that blind us to Palestinian suffering. It’s about how we came to value a state, Israel, above the lives of all the people who live under its control. And it’s about why I believe that Palestinian liberation means Jewish liberation as well.

My hope is that even people who disagree fervently with my arguments will feel that it was a written in a spirit of Jewish solidarity and love. And that, in some small way, it might contribute to the struggle for Palestinian freedom while also opening a conversation within the Jewish communities and families ruptured by this horrifying war.


(DE) Jüdischsein nach der Zerstörung von Gaza

Ich stelle mir manchmal vor, wie ich denen, die im Namen unserer Gemeinschaft sprechen, eine Reihe von Fragen stelle: Wie viele Palästinenser müsste Israel in Gaza töten, bevor ihr die Vereinigten Staaten drängt, keine Waffen mehr dorthin zu schicken? Wie viele palästinensische Gefangene müsste Israel ungestraft foltern und sexuell missbrauchen, bevor ihr das Recht internationaler Gerichte anerkennt, israelische Führer vor Gericht zu stellen? Wie lange müssen die Palästinenser im Westjordanland unter Militärgesetz leben, bevor ihr aufhört, Israel eine Demokratie zu nennen? Wie viele Menschenrechtsgruppen müssen es beschuldigen, ein ApartheidRegime zu sein, bevor Ihr das Prinzip in Frage stellt, dass allein die Juden regieren dürfen?

Ich habe genug solcher Gespräche geführt, um die Antworten vorherzusagen. Sie würden wahrscheinlich Verweise auf Hamas, menschliche Schutzschilde, Iran und Antisemitismus enthalten, verbunden mit Bedauern darüber, dass die grausamen Realitäten des Nahen Ostens von Israel verlangen, sich auf so schmerzhafte Weise zu schützen. Aber die eigentliche Antwort wäre klar: Es gibt keine Grenze. Egal, wie viele Palästinenser sterben, sie bringen das Gleichgewicht nicht zum Kippen, denn der Wert eines Palästinensers ist endlich und der Wert eines jüdischen Staates ist unendlich.

Im Laufe des letzten Jahres habe ich mich mit der Art und Weise schwergetan, wie viele Juden – darunter auch Menschen, die mir sehr am Herzen liegen – die Zerstörung einer ganzen Gesellschaft gerechtfertigt haben. Das Buch handelt von den Geschichten, die wir Juden uns selbst erzählen und die uns blind machen für das Leiden der Palästinenser. Es handelt davon, wie wir dazu gekommen sind, einen Staat, Israel, mehr zu schätzen als das Leben all der Menschen, die unter seiner Kontrolle leben. Und es handelt davon, warum ich glaube, dass die Befreiung der Palästinenser auch die Befreiung der Juden bedeutet.

Meine Hoffnung ist, dass selbst diejenigen, die meinen Argumenten vehement widersprechen, spüren, dass dieser Text im Sinne jüdischer Solidarität und Liebe geschrieben wurde. Und dass er auf seine kleine Weise zum Kampf für die Freiheit Palästinas beitragen und gleichzeitig einen Dialog innerhalb der jüdischen Gemeinschaften und Familien anstoßen kann, welche durch diesen schrecklichen Krieg zerrissen wurden.


Textauszug aus dem Buch von Peter Beinart “BEING JEWISH AFTER THE DESTRUCTION OF GAZA.”

Gelesen von Julia Neumann (EN) und Fabian Krengel (DE)

Peter Beinart ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler und Journalist. Er ist Associate Professor für Journalismus und Politikwissenschaften an der City University of New York, Kolumnist bei der New York Times und Redakteur des Magazins Jewish Currents.

Quellen

@peter_beinart auf Instagram

Beinart, P. (2025). Being Jewish After the Destruction of Gaza: A Reckoning. Knopf.

https://www.theguardian.com/world/nginteractive/2025/jan/27/israel-gaza-us-jews-peter-beinart